ADHS im Erwachsenenalter

Was ist ADHS?

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)

Das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) ist eine Beeinträchtigung, die ihren Ursprung in der Kindheit hat. Bei einem Teil dieser Kinder setzt sich die Beeinträchtigung bis ins Erwachsenenalter fort.

Eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist vor allem durch drei Kernsymptome gekennzeichnet:

1. Unaufmerksamkeit – z. B. mangelnde Konzentrationsfähigkeit, mangelnde Ausdauer bei Aufgaben, leichte Ablenkbarkeit.

2. Impulsivität – z. B. vorschnelles Antworten, nicht abwarten können bis man an der Reihe ist, in Gespräche unangemessen hineinplatzen, überhastetes und unbedachtes Handeln.

3. Hyperaktivität – z. B. innere Unruhe, das Gefühl von Anspannung und Getriebensein, immer auf Achse sein.

Diese Verhaltensweisen kommen zeitweilig zwar bei allen Menschen vor, bei Personen mit ADHS sind sie jedoch auffällig. Um sicher sein zu können, dass es sich um eine überdauernde und tatsächliche Auffälligkeit handelt, werden folgenden weitere Bestimmungsgrößen herangezogen:

– Das problematische Verhalten muss deutlich von dem Verhalten abweichen, das aufgrund des Alters und des erreichten Entwicklungsniveaus erwartet werden kann.

– Die problematischen Verhaltensweisen müssen mindestens sechs Monate lang gleichförmig  vorhanden sein.

– Das problematische Verhalten muss in mehreren Lebensbereichen (bei Kindern z. B. zu Hause, in der Schule, beim Spielen mit Gleichaltrigen) zu Tage treten.

– Die Verhaltensprobleme sollen schon vor Schuleintritt (vor dem 7. Lebensjahr) aufgefallen sein.

– Es müssen bedeutsame Beeinträchtigungen beispielsweise beim Lernen in der Schule, beim Zusammenleben in der Familie oder beim Umgang mit Gleichaltrigen vorliegen.

Erst wenn diese weiteren Kennzeichen erfüllt sind, ist das unruhige und aufmerksamkeitsgestörte Verhalten wirklich bedenklich und behandlungsbedürftig. Ein vorübergehend auffälliges Verhalten, das eventuell sogar noch durch äußere Umstände (etwa Umzug, aktuelle Belastungen) zu erklären ist, wird daher als ADHS ausgeschlossen.

ADHS bei Erwachsenen

Wussten Sie das?

Bei 40 bis 60 % der Kinder pflanzt sich die ADHS bis ins Erwachsenenalter fort. Sie verändert sich aber in ihrem Erscheinungsbild:

– Die motorische Unruhe nimmt ab und macht einer inneren Unruhe (Getrieben-fühlen) Platz.

– Die Unaufmerksamkeit ist nun eher zu einer Schwierigkeit mit der Konzentration, der Arbeitsorganisation, der Sorgfalt, der Pünktlichkeit, der Zuverlässigkeit und Arbeitsgenauigkeit geworden.

– Die Impulsivität zeigt sich in unbedachten und risiko-reichen Verhaltensweisen sowie teilweise abrupten Lebensentscheidungen.

– Die Schwierigkeiten sind nicht mehr so eng auf Familie und Schule konzentriert, sondern liegen nun beim Studium, der Arbeit oder der Beziehung zu Mitmenschen (Freunden, Partner, Familie).

Wie wird ADHS festgestellt?

Es gibt zwei Fragen, die jeweils mit „ja“ beantwortet werden müssen, bevor von einer ADHS bei Erwachsenen gesprochen werden kann:

1. Lag eine ADHS in der Kindheit vor? Das ist dann der Fall, wenn Sie bereits als Kind im Alter von 7 bis 12 Jahren aufgrund einer sorgfältigen und fachgerechten Untersuchung eine solche Diagnose erhalten haben. Bei Personen, die zuvor noch nicht untersucht worden sind, bei denen aber ein Verdacht besteht, ermittelt man vom heutigen Tag an rückblickend, ob es früher
typisches „ADHS-Verhalten“ gab. Das geschieht mit der sogenannten Wender Utah Rating Scale. Wenn Sie in dieser Skala einen Wert von mehr als 36 haben, ist das ein anerkannter Hinweis auf eine  frühere ADHS.

2. Liegt auch heute ADHS-typisches Verhalten vor? Diese Frage muss ebenfalls mit „Ja“ beantwortet werden. Hierzu werden Fragebogen beantwortet, der die heutigen Verhaltensweisen abfragt. Wenn hier 6 oder mehr Symptome auf Sie zutreffen, ist das der Beweis für die heutige ADHS. Wenn sowohl eine frühere als auch eine heutige ADHS festgestellt wird, liegt eine „ADHS bei Erwachsenen“ vor.

Begleitstörungen von ADHS

B
ei einer größeren Zahl von Betroffenen verschärfen sich die Probleme im Verlauf der Zeit.

Aus der ursprünglichen ADHS entstehen Selbstwertprobleme, soziale Zurückgezogenheit bis hin zur Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit bis hin zur Depression, risikoreiches Verhalten bis hin zum Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Andere Begleitstörungen bestehen in Leistungsproblemen, woraus nicht selten Unsicherheit und mangelndes Selbstvertrauen resultieren.

 

Ferner ist oft die Beziehung zur Herkunftsfamilie und anderen Menschen ein Problem. In Extremfällen sind auch Aggressivität, Suchtverhalten, kriminelle Handlungen, Drogenmissbrauch zu

beobachten.

ADHS könnte bei dir vorliegen, wenn ...

- es dir schwerfällt an einer Sache dranzubleiben, du ständig abgelenkt bist, dich ablenken lässt, du deinen Fokus nicht halten kannst, weil du schnell von nur einer Sache gelangweilt bist

- du ständig neue Ideen hast, dich verzettelst, schlecht in die Umsetzung kommst und am Ende leider gar nichts gebacken bekommst

- du dich schlecht konzentrieren kannst und dir viel zu viel auflädst/aufladen lässt

- du völlig überlastet bist, weil du immer alles perfekt machen willst

- du öfters als andere bei Kleinigkeiten aus der Haut fährst, emotionaler und impulsiver als andere reagierst

- dir immer gesagt wurde, dass du ohne Punkt und Komma redest und ausschweifend seist

- es dir häufiger passiert, dass deine Stimmung rasch von einem Hoch zum nächsten Tief wechselt

- es dir schwerfällt dich für etwas zu entscheiden, und du z.B. das ein und dasselbe Kleidungsstück in 3 unterschiedlichen Farben kaufst

- du deine Ziele nicht (mehr) klar vor Augen hast

Hier kommen ein paar Fragen an dich:

· Redest du schnell, machst oft Gedankensprünge, denkst Dinge, die du aber nicht laut aussprichst und dein Gegenüber kann dir oftmals gar nicht folgen?

· Hörst du oft, dass du langsamer sprechen sollst?

· Bist du sehr schnell gelangweilt von Dingen, die du tust?

· Fällt es dir schwer an nur einer Aufgabe dran zu bleiben, dich lange auf eine Sache zu fokussieren? Dich zu konzentrieren?

· Lässt du dich schnell ablenken?

· Leidest du manchmal an Zerstreutheit? Und fragst dich „Ähm, … was wollte ich gleich nochmal machen?“

· Fällt es dir schwer Entscheidungen zu treffen? Auch wenn es nur um das Auswählen eines Gerichts auf der Speisekarte geht?

· Weißt du manchmal gar nicht, was du eigentlich wirklich willst?

· Hast du als Kind oft gehört „Träum nicht vor dich hin, mach die Augen auf“?

· Hast du dich schon als Kind immer anders/falsch gefühlt? So als würdest du nicht dazu gehören?

· Wurdest du oft wegen deiner Andersartigkeit/deinem angeblichen Falschsein gerügt?

· Hast du oft gedacht, dass du nicht richtig bist und ist daraus vielleicht dein Glaubensmuster entstanden, dass du nicht gut genug bist?

· Warst du als Kind schon die/derjenige, die/der aus dem Rahmen gefallen ist?

· Hast du oft Geistesblitze und weißt im nächsten Moment schon gar nicht mehr, was du gesagt hast?

· Neigst du dazu, dich in Details zu verlieren? Oder etwas anzufangen und mittendrin aufzuhören?

· Fällst du anderen oft ins Wort? 

· Bist du im Gegensatz zu anderen sehr Multitasking fähig? Machst oft mehrere Dinge gleichzeitig?1

·Kannst du schlecht deine Aufmerksamkeit bei nur einer Sache lassen?

· Hast du oft den Gedanken etwas zu tun und dann kommen noch weitere Gedanken hinzu,

was dich manchmal dazu bringt, dass du dich im Kreis drehst und gar nicht mehr weißt,

was du zuerst oder zuletzt machen sollst?

· Bist du nervös und hippelig, kannst selbst wenn du einen Film schaust, nicht ruhig sitzen/liegen,

weil dir ständig Dinge, die auch noch zu erledigen sind, einfallen und diese dann tust?

· Langweilt es dich ins Kino zu gehen, weil du eben nicht ruhig sitzen kannst/magst und du dich

nicht nur auf eine Sache fokussieren möchtest/kannst?

· Kannst du konzentriert an einer Sache arbeiten, die dir so richtig Spaß macht?

· Bist du offen und wahrnehmender als alle anderen in deinem Umfeld und bekommst um dich

herum alles mit? 


Und nun zähle jetzt mal bitte alle Fragen durch, die du mit „Ja“ beantwortet hast!

Wie ist dein Ergebnis?

 

Wie wahrscheinlich ist es, dass bei dir möglicherweise ADHS vorliegt?

Hier ist eine erste Auswertung:

Wenn du 1 bis 5 Mal JA gesagt hast, dann liegt bei dir wahrscheinlich kein ADHS vor.

Wenn du 6 bis 9 Mal JA gesagt hast, dann liegt bei dir möglicherweise ADHS vor.

Wenn du mehr als 10 Mal JA gesagt hast, dann ist es sehr gut möglich ist, dass

bei dir ADHS vorliegt.

Diese Fragen sind aus einem Test der Weltgesundheitsorganisation abgewandelt. Das heißt, sie haben einen medizinisch sehr fundierten Hintergrund. Jedoch stellt dieser Test alleine keine saubere Diagnose dar. Es geht nur darum, ein Gespür zu bekommen, sich ein Stück weit besser kennenzulernen. Denn viele Menschen, die ADHS haben, es vielleicht jedoch noch nicht wissen, können es mit erheblichen Problemen zu tun haben. 

Wenn Sie wissen möchten, ob eine ADHS im Erwachsenenalter bei Ihnen vorliegt, fordern Sie gerne die entsprechenden Diagnostik-Fragebogen bei mir an. Telefon: +49 711 943 595 50 oder per E-Mail: info@leichtart.com

Quellen:: Prof. Gerhard Lauth/Wolf-Rüdiger Minsel, https://econtent.hogrefe.com/doi/10.1024/1016-264X/a000329, Lauth und Minsel: ADHS bei Erwachsenen © 2009 Hogrefe, Göttingen

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Meine Leistungen und angewandten Methoden ersetzen jedoch nicht den Arzt, Heilpraktiker oder Psychotherapeuten.